Les Brünettes: 4

Les Brünettes: 4

 

Sie widersetzen sich allen Klischees und machen ihr eigenes Ding. Sie stehen mitten im Leben, engagieren sich für ihre Überzeugungen und übernehmen Verantwortung in dieser Welt: Die vier Sängerinnen Juliette Brousset, Stephanie Neigel, Julia Pellegrini und Lisa Herbolzheimer sind Les Brünettes, und mit ihrer vierten CD „4“ – auf der sich ausschließlich selbstkomponierte und -getextete Songs finden – sind sie endgültig bei sich selbst angekommen. Die 12 Songs beschäftigen sich mit ihren (und unseren) Lebensrealitäten, mit den vielzitierten Themen des Alltags: Liebe, Umwelt, Partnerschaft, Freiheit, Familie …

 

 

Die vier Frauen – 3 von ihnen sind inzwischen selbst Mütter – haben sich 2009 als Gesangsstudentinnen in Mannheim kennengelernt und bezeichnen ihre Musik als The female way of a cappella. Jede von ihnen hat drei Eigenkompositionen zur CD beigesteuert und übernimmt auch die jeweiligen Leadvocals. Sie singen sich durch drei Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch) und diverse Genres (Pop, Jazz, Funk und Rap), ohne dabei in mainstreamige Beliebigkeit zu verfallen. Sie klatschen, stampfen, hauchen – und auch Fans von Body Percussion und Beatbox kommen auf ihre Kosten.

 

 

Auf eine einminütige Soundcollage aus kurzen Zitaten der Songs dieser CD und O-Tönen der Sängerinnen folgt das melodiös poppige You will be gone von Julia Pellegrini – echte Ohrwurm-Qualität zum sperrigen Thema Klimawandel. Direkt im Anschluss rechnen die Sängerinnen mit veralteten gesellschaftlichen Frauenbildern ab: Spieglein Spieglein beschäftigt sich mit Idealen und Erwartungen und ist eine Hommage an Vielfalt, Selbstliebe und vermeintliche Schönheitsfehler. Beim ersten Hören von MFU (Middlefinger up) erinnerte mich der patzige Sound (von Lisa Herbolzheimer komponiert und arrangiert) an die in den 2000ern extrem erfolgreiche Girlgroup Tic Tac Toe – auch das (vielleicht nicht ganz so pfiffige) Trio setzte sich damals ja immerhin für weibliches Selbstbewusstsein ein. OMG verhandelt mit sprachlichem Witz die Vergänglichkeit von Jugendsprech und Social Media, und so geht es auf hohem Niveau weiter; Julia Pellegrinis Adalina, eine wundervolle Liebeserklärung im 7/8-Takt, ist mein persönlicher Favorit auf diesem Album.

 

 

Mit ihrem ganz eigenen Stil, ihrer Musikalität und ihren wirklich schön harmonierenden Stimmen bereichern Les Brünettes die deutsche A-Cappella-Szene nicht nur um eine interessante Farbe; genau wie sich ihre intelligenten Texte wohltuend vom gelegentlich arg klamaukigen A-Cappella-Mainstream abheben, bieten auch die meisten ihrer Arrangements eine willkommene Abwechslung vom „Üblichen“. Schließlich hat sich jede Einzelne der Vier in der vokalen Jazzszene längst auch solistisch etabliert. Umso dankbarer bin ich für ihre musikalische und textliche Präsenz in meinem Lieblings-Universum.

Ensembleklang: 5 von 5 Sternchen
Interpretation: 5 von 5 Sternchen

Herzog Records GmbH, 47 Minuten

www.lesbruenettes.de

Rezension geschrieben von Nina Ruckhaber für die Chorzeit – Das Vokalmagazin, Ausgabe Nr. 79, Februar 2021

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