Studie: Chorsingen in Zeiten von Corona

Studie: Chorsingen in Zeiten von Corona

Katharina Knop-Hülß (M.A.) hat am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover während der ersten Phase der Kontaktbeschränkungen zur Eindämmung der COVID-19 Pandemie die Befragung „Chorsingen in Zeiten von Corona“ durchgeführt.

Sie ging mit dieser Studie der Frage nach, wie es Chormitgliedern in Zeiten von Corona erging und welche digitalen Choraktivitäten Chöre in Deutschland nutzten, um in Kontakt zu bleiben. Ziel der Studie war es zu ergründen, inwiefern Chormitglieder in Krisenzeiten von der Ressource Chorsingen, bzw. dem Mitglied Sein in einem Chor profitieren.

Im Zeitraum vom 15. April bis 13. Mai 2020 nahmen 1129 Chorsängerinnen und –sänger aus ganz Deutschland an der Befragung teil. Die Ergebnisse der Befragung sind inzwischen hier veröffentlich. Ich habe die Gelegenheit genutzt und Katharina Knop-Hülß einige Fragen gestellt.

Katharina Knop-Hülß
(Foto: Hauke-Christian Dittrich)

In welchem Rahmen und zu welchem Anlass haben Sie die Studie „Chorsingen in Zeiten von Corona“ durchgeführt?
Einer meiner Forschungsschwerpunkte liegt auf digitalen Kommunikationstechnologien. Dabei interessiert mich vor allen Dingen, wie Menschen beispielsweise das Smartphone verwenden, um sich mit anderen Menschen verbunden zu fühlen. Diese Möglichkeiten zur Kommunikation haben durch die Pandemie einen völlig neuen Stellenwert bekommen – WhatsApp, Skype und Co. sind und waren ja teilweise die einzige Möglichkeit, in Kontakt mit unseren Liebsten zu bleiben. Als wir letztes Jahr im März in diese für uns völlig neue Pandemiesituation geraten sind, habe ich, neben allen Einschränkungen, auch die Chance wahrgenommen, Menschen in einer außergewöhnlichen Situation zu ihrem Kommunikationsverhalten zu befragen. Als passionierte Chorsängerin wollte ich mich dem Chorsingen widmen. Aus diesem Forschungsinteresse entstand die Befragungsstudie „Chorsingen in Zeiten von Corona“.

In welchem Chor sind Sie selbst aktiv? Wie haben Sie dort die Pandemie-Zeit erlebt?
Ich singe selbst Groovechor Hannover. Wir widmen uns A Capella Musik aus dem Bereich Jazz, Rock und Pop, die unser Chorleiter Toby Lüer für uns selbst arrangiert. Unser Chor lebt davon, beim gemeinsamen Singen eine unglaubliche Energie zu entwickeln. Das haben wir natürlich in den letzten Monaten kaum erlebt. Wir haben recht früh mit Online-Proben angefangen. Der Chorleiter hat dabei die Probe angeleitet und alle anderen haben – stummgeschaltet – ihre Stimme zuhause geübt. Das war gut, um die Stücke nicht zu verlernen und sich nicht aus den Augen zu verlieren, aber hier hat man gemerkt, an welche Grenzen digitale Kommunikationstechnologien stoßen. Sie können gemeinsames Erleben nur bis zu einem gewissen Grad ersetzen. Im Sommer haben wir ein paar Mal auf einer Parkwiese geprobt. Das kam dem, was Chorsingen ausmacht, trotz Abstand Halten wieder deutlich näher!

Groovechor Hannover

Was waren für Sie die wichtigsten Dinge, die Sie aus der Studie mitgenommen haben?
Am meisten beeindruckt hat mich die Bereitschaft, an der Studie teilzunehmen. Das war großartig zu erleben, denn jede zweite Person, die den Link geöffnet hat, hat die Befragung auch beendet – das ist keine Selbstverständlichkeit. Inhaltlich war ich  positiv überrascht, wie sehr sich die befragten Sänger*innen bemüht haben, den Kontakt zueinander zu halten. Sei es über E-Mails von der Chorleitung, das Schreiben von Nachrichten untereinander über WhatsApp & Co. oder sogar die ersten Versuche mit Videokonferenzen. Auch wenn sich in dieser ersten Phase der Kontaktbeschränkungen natürlich noch keine Routinen zum Singen entwickelt hatten, wurde zumindest viel dafür getan, den Zusammenhalt zu stärken.

Sie erwähnen den Begriff #Chorliebe. Was bedeutet Chorliebe für Sie?
Für mich beschreibt Chorliebe diese besondere Verbundenheit, die beim gemeinsamen Singen entsteht, wenn Harmonien und Rhythmen ineinander greifen und man gemeinsam etwas Wunderschönes erschafft. Das trägt und schafft eine, wie ich finde, einzigartige Gemeinschaft. Ich hoffe sehr darauf, dass wir diese Verbundenheit bald wieder live und in Präsenz erleben können. Bis dahin bin ich aber trotz aller Einschränkungen dankbar für die digitalen Möglichkeiten, miteinander verbunden zu bleiben.

Vielen herzlichen Dank!
Die Ergebnisse der Befragungsstudie sind >> hier nachzulesen.