Barbershop aus München SomeSing geben ihr CD-Debüt

<span>Barbershop aus München</span> SomeSing geben ihr CD-Debüt

Die Dramaturgie eines Konzerts ist eine Aufgabe für sich, mit der sich wohl jede Gruppe beschäftigen muss. Manche Künstler lösen dieses Feld rein musikalisch, manche durch geschickte Moderationselemente – und SomeSing durch spielerische Überraschungen.

Das gemischte Barbershop-Quartett SomeSing aus München und Leipzig hat sich 2011 gegründet. Die Goldmedaillen-Preisträger des BinG! Musikfestival 2018 (mit einer Wertung von 80,7% inkl. des Publikumspreises) sind mit ihrer Stimmverteilung in einem gemischten Barbershop-Quartett einzigartig: Bass und Tenor werden von den Männern gesungen, die Mittelstimmen Bariton und Lead übernehmen die Damen. Im September 2018 stellte das Ensemble seine Debüt-CD im Einstein Kultur in München vor – und ich durfte mit dabei sein.

Das Programm setzte sich aus einer bunten Mischung von Coversongs zusammen, jeweils als Barbershop angelegt und im typischen Close-Harmony-Stil bearbeitet. Durch den Abend führen anhand gewitzter und gelungener Moderationen tatsächlich alle vier Ensemblemitglieder. Ein Potential, aus dem nicht alle Gruppen schöpfen können. Doch das Besondere des Konzertabends waren mit Abstand die spielerischen Kleinigkeiten, die für alle Konzertbesucher liebevoll hergerichtet wurden. Es begann mit einer kleinen Tombola im Eingangsbereich. Jeder Konzertbesucher fand zudem auf seinem Stuhl eine kleine Brotpapiertüte in der sich u.a. Noten zum Mitsingen, ein Neonleuchtarmband, ein Stift und eine Zeitung befanden. All dies fand während des Konzerts unter Anleitung seinen Einsatz. Zur großen Überraschung klebte unter jedem Konzertstuhl eine kleine Wasserpistole, die Teil des Programms wurde. Warum nicht einfach mal den Vordermann während eines Songs nass machen? Herrlich. Großes Lob an die Kreativabteilung von SomeSing – das war echt gelungen

Sandra, Nina und Gabriele auf dem Völkerschlachtdenkmal in Leipzig

Und was gibt es zur Debüt-CD zu sagen?
Die CD startet mit der berührenden Ballade „Ebb Tide“ von Robert Maxwell; hier wagt sich die Gruppe direkt an ein anspruchsvolles und spannungsgeladenes Arrangement heran. Es folgt die Gute-Laune-Nummer „Your First Day in Heaven“, bei der die Leadsängerin Sandra mit ihrem Gesang im Country-Style mein Herz erobert, ebenso wie bei der My-Fair-Lady-Nummer „On the Street where you live“. Hörer der populären A-Cappella-Szene freuen sich sicher über das Cover von „Anekdotenbehindert“ von William Wahl (basta), das Thorsten Englers in einem 4-stimmigen Ensemblesatz arrangiert hat. Funktioniert – wenn auch William Wahl in diesem Song zugegebenermaßen unerreicht bleibt. Auch bei den ganz Großen gefischt: Das bekannte „Pass Me the Jazz“ der Real Group, sehr gut von Jeremy Johnson zum vierstimmigen Barbershop-Stück umarrangiert. Der Eagles-Hit „Seven Bridges Road“ gehört mit zu meinen Lieblingen auf der CD – ist es mir in dieser Bearbeitung natürlich bereits durch die amerikanische Vokalgruppe „Home Free“ bekannt.
Mit dem allseits geliebten Elephant Love Medley von Moulin Rouge hat sich Arrangeur und Sänger Thorsten Engels ein kleines Denkmal für SomeSing gesetzt. Ein würdiger Abschluss der CD, in dem die Sänger solistisch ihre Stärken hervorbringen können. Schön ebenso, den jungen Bassisten Dominik Schaller in „This Ole Hous“ solieren zu hören

SomeSing & Nina bei der European Harmony Brigade 2018 in Leipzig

Dass die Gruppe aber auch intonatorisch an ihre Grenzen stößt, fällt z. B. beim oft gehörten „Moon River“ auf, noch verstärkt durch die technisch insgesamt eher schlichte Produktion. Die wirkt teilweise unvorteilhaft, da eine aufwändige „bereinigende“ Nachbearbeitung von Tonaufnahmen heute ja gang und gäbe und längst Teil unserer Hörgewohnheiten ist. Gleichzeitig machen diese Unreinheiten SomeSing aber unfassbar sympathisch, denn die Sängerinnen und Sänger glänzen mit ihren natürlichen Stimmfarben.

Ich persönlich höre die Gruppe am liebsten im Live-Konzert, denn dies macht – ergänzt durch die herrlichen Kreativaktionen – einfach großen Spaß!

SomeSing v.l.n.r.: Sandra Kern, Dominik Schaller, Gabriele von Rauch, Thorsten Engels

www.somesing-quartet.de

CD-Rezension geschrieben für die Chorzeit – Das Vokalmagazin (Ausgabe 1/2019)



Weitere Videos:

SomeSing bei Ninas AdventsBox 2018:


SomeSing & der Nina-tag:


SomeSing mit „Pass me the jazz“ (Real Group) im Völkerschlachtdenkmal Leipzig, September 2018