CD-Rezension basta: In Farbe

<span>CD-Rezension</span> basta: In Farbe

Die Kölner Band basta war die zweite A-Cappella-Gruppe, die ich jemals live erlebt habe. Im Rheinland aufgewachsen startet man natürlich mit den Wise Guys, danach bin ich aber über eine Freundin auf basta aufmerksam geworden – weil sie mich einfach zu einem Konzert mitgeschleppt hat. Und spätestens da war ich dem A-Cappella-Wahn verfallen, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt weder Maybebop noch andere Gruppen kannte …

mit William

basta begleitet mich somit bereits seit ca. 15 Jahren; ich durfte sogar schon mit ihnen auf der Bühne singen, habe zahlreiche Konzerte besucht und frühere Bandmitglieder traurig verabschieden müssen. Waren sie auch zeitweise ein bisschen aus meinem Sichtfeld gerückt, sind sie seit der letzten CD „Freizeichen“ doch wieder sehr präsent. Und wer sich nun die aktuelle Scheibe „In Farbe“ anhört, weiß: Sie stehen wieder voll im Saft!

Seit Wochen läuft die Musik in meiner Playlist rauf und runter – und ich kann sagen: Diese CD mit ihren 14 (musikalisch und thematisch) sehr unterschiedliche Stücken ist wirklich eine der guten von basta. Meine Lieblinge: Der Reise-Hit „New York, Rio, Gütersloh“, „Zu spät“ (ach, ich mag euren Humor) und eine der seltenen ernsten basta-Balladen „Bitte nicht ihr“ (Meisterwerk!).

Text und Musik des neuen Albums stammen fast vollständig aus der Feder von William Wahl, dem kreativen Kopf der Band. Er verantwortet diese CD ebenso als Produzent – zusammen mit Julian Schramm, der zum Teil auch bei Komposition und Text geholfen sowie den Edit und Mix erledigt hat. Wahl versteht es auf brillante Art und Weise, in seinen Texten Witz, Intelligenz und Charme zu vereinen und zudem noch musikalisch originell zu vertonen. Genau diese Leistung hebt basta bis heute von der stetig wachsenden populären A-Cappella-Szene ab.

Mit der Guten-Laune-Nummer „New York, Rio, Gütersloh“ besingen die Jungs ihren täglich wiederkehrenden Touralltag. Der Song (vom Titel natürlich eine Referenz an Peter Fessler) erzeugt gute Laune – und lädt zum lauten Mitsingen ein. In der wirklich witzigen Nummer „Zu Spät“ kann Gründungsmitglied René Overmann den ganzen Humor seiner Stimme ausleben; stimmlich sowie von seiner Bühnenpräsenz her ist er für mich der stärkste Entertainer der Gruppe. Die Single-Auskopplung „Kranke Männer“ hingegen liegt stimmlich – programmatisch bedingt sowie als AC/DC-Hommage – eher schwierig in den Ohren.

„Ich kommt nicht mehr mit“ lässt an den eigenen Alltag denken und schmunzeln – ironischerweise mit fabulös schneller Zunge von Hannes Herrmann, dem Bandjüngsten, gesungen: Ein würdiger Teekesselchen-Nachfolger von „Alleinunterhalter“ mit schöner Fuge. Ernste Töne über das Ende einer Beziehung schlägt William Wahl mit „Bitte nicht ihr“ an – eine wohltuend traurige Farbe auf dieser CD. A-Cappella-Polizei bitte weiterklicken: „Mi casa su casa“ ist doch tatsächlich untermalt mit einer Ukulele! An einen 80er-Jahre-Hit erinnert der Song „Personal Trainer“, „Mein Auto“ kommt sehr gekonnt im klassischen Close-Harmony-Gewand daher. Arndt Schmöle darf seine Stimme für die technisch verzerrte Tekkno-Nummer „Roboterkätzchen“ hergeben – das erinnert stark an die musikalisch ebenso kreative Nummer „Mülltrennung beim Frühstück“ von Maybebop. Einen kleinen musikalischen Rundgang durch die „Schlager“-Szene bietet die Geschichte über die Vorlieben eines Schlägers. Von SWR3 unterstützt, kursiert die fluffige Single „Reggaeton im Altersheim“ schon seit einiger Zeit im Netz umher. Eine herrliche Nummer über Tanzmusik in der Geriatrie; ich feiere die wirklich originellen Reime in diesem Song.

Da ich nicht bei jedem Song eine Pointe brauche, hätte mir auch das wunderschön arrangierte „Schlaflied“ mit einem anderen inhaltlichen Ausgang besser gefallen. Herrlich abgerundet wird die CD im hinteren Teil mit „Das Leben ist kein Wandtattoo“, bei dem mir mal wieder auffällt, wie sehr ich William Wahls Stimmfarbe liebe. Anknüpfend daran natürlich die ernste Winterballade „Lass es schneien“, zuvor bereits auf einer frühen Solo-CD „Wie schön wir waren“ von William Wahl erschienen, hier in der Melodie ebenso angenehm weich gesungen von Hannes Herrmann.

Erfreulich, dass der bereits über viele Jahre gepflegte musikalische Austausch mit den Vokal-Artisten von Maybebop auch bei dieser CD anhält; „In Farbe“ enthält drei Arrangements von Oliver Gies und eines von Countertenor Jan Bürger, auf der aktuellen Maybebop-CD ist ein Text von William Wahl zu finden.

basta legt hier auf musikalisch hohem Niveau eine textlich sehr originelle, frische neue CD vor, mit der sie ihre prominente Stellung in der Vokalszene erneut bestätigen. Sie spiegeln ihr gesangliches Können in den unterschiedlichsten Klangfarben und Stimmungen und präsentieren sich mit einem modernen Sound. Langfristig würde ich mir wünschen, dass die Gruppe den ernsteren Songs ihres Repertoires einen größeren Platz einräumt.

mit Arndt & Mirjam

Fazit: Die neuen Farben – musikalisch sowie optisch – stehen den Jungs sehr gut! Mir hat es in den letzten Wochen großen Spaß gemacht, die Songs zu hören, und ich denke, sie werden auch in der nächsten Zeit ihren Platz in meiner Playlist behaupten.

CD-Rezension von Nina Ruckhaber, 27.11.2018