Wer die Wahl hat, digital.

Wer die Wahl hat, digital.

„Man spart Zettel, Aufwand und sehr viel Zeit. Ich bin überzeugt, dass – vor allem geheime – digitale Wahlen auch nach der Pandemie noch eine große Rolle spielen!“, sagt Felix Herrmann. Damit könnte er Recht haben. Doch der Reihe nach …

Schon in der ersten Pandemie-Welle nahm die Anzahl digitaler Veranstaltungen sprunghaft zu, natürlich auch in der gesamten Vereinswelt. Neben Chorproben wurden bald auch Vorstandssitzungen und Mitgliederversammlungen digital durchgeführt – und somit mussten auch Wahlen und Abstimmungen in die virtuelle Welt transferiert werden! Das im März 2020 vom Bundestag beschlossene Gesetz zur Abmilderung der Folgen der COVID-19-Pandemie ermöglicht es Vereinen, auch in virtuellen Versammlungen rechtsgültige Beschlüsse zu fassen und so, allen Kontaktbeschränkungen zum Trotz, handlungsfähig zu bleiben.

Nach ersten Tests und einigen virtuell durchgeführten Versammlungen wurde allerdings klar, dass die verfügbaren digitalen Abstimmungs-Tools nicht alle Anforderungen der Vereine und Verbände erfüllten. Um eine wirklich passende Anwendung für Online-Wahlen für gemeinnützige Organisationen zu entwickeln, haben sich daraufhin mehrere Chorverbände mit mediale pfade, einem Verein für Medienbildung, zusammengetan. Unter dem Dach des Kooperationsprojekts re:mix – Jugend singt und mischt sich ein, das mediale pfade gemeinsam mit der Deutschen Chorjugend im Januar 2020 ins Leben gerufen hat, wurde ein entsprechender Projektantrag gestellt. Der Zusammenschluss der Deutschen Chorjugend, des Badischen und Schwäbischen Chorverbands sowie der Sängerjugend NRW ermöglichte eine Finanzierung über Zusammenhalt durch Teilhabe, ein Programm für bürgerschaftliches Engagement und demokratisches Handeln des Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat.

Ob offene oder geheime Wahlen, 10 oder 500 abstimmende Leute, digital, hybrid oder vor Ort: Ziel war es, eine Internetanwendung bereitzustellen, mit der Veranstalter von Versammlungen in hybrider oder reiner Online-Form Abstimmungen und Wahlen durchführen können. Die Abstimmungen mussten gesichert, bei Bedarf geheim durchführbar sowie einfach bedienbar sein. Die TeilnehmerInnen sollten nur ein internetfähiges Endgerät, z. B. ein Smartphone oder Laptop, benötigen.

Im August 2020 wurde der Entwickler Felix Herrmann beauftragt, was angesichts des ersten geplanten Einsatzes am 4. Oktober 2020 beim Schwäbischen Chorverbandstag ein ziemlich knapper Zeitrahmen war. Aber das Vorhaben gelang: Das Programm Digitalwahl.org funktionierte und wurde schnell auch von anderen Verbänden genutzt. „Inzwischen gibt es mehr als 200 Registrierungen aus den unterschiedlichsten Vereinen und Verbänden, auch außerhalb der Chor- und Musikszene. Es wurden mehr als 190 Veranstaltungen durchgeführt, einige sind noch geplant und mehr als 2.800 Teilnehmer haben an Veranstaltungen aktiv teilgenommen“, berichtet der Programmierer – bei ganz überwiegend positiver Resonanz der NutzerInnen.

Felix Herrmann

Mit Felix Herrmann wurde ein ausgesprochen choraffiner Entwickler für das Projekt gewonnen: „Ich bin als Sohn eines Chorleiters jetzt seit knapp 25 Jahren in Chören aktiv, bin Vereinsvorsitzender, Kreisjugendvorsitzender und Vorstandsmitglied in der Sängerjugend NRW. Ich kenne die Eigenheiten des Vereinswesens und -lebens und hoffe mit meinem technischen Know-How vielen Vereinen und Verbänden Lösungen anbieten zu können, die auch in diesen schwierigen Zeiten rechtsverbindliche Versammlungen und Aktivitäten möglich machen.“

Die NutzerInnen der Software sind zufrieden und glücklich. Ilja Panzer, Leiter des Cottbusser Chors PopKon – Modern Vocal Music berichtet: „Mit ein bisschen ausprobieren konnte ich alles so einstellen, wie wir es benötigt hatten. Ich hatte zur Sicherheit für den konkreten Anlass noch eine Anleitungs-PDF mit Screenshots erstellt, damit den Teilnehmenden vorab der Ablauf klar ist. Auch nach der Pandemie werden wir das Tool sehr gern weiterhin benutzen; es spart eine Menge Papier und Zeit, ist zuverlässig und sicher. Danke, dass es dieses Projekt gibt!“.

Zur großen Freude aller Projektbeteiligten wird die Förderung von Seiten des Bundesinnenministeriums voraussichtlich verlängert. Felix Herrmann plant bereits die ersten Optimierungen: „Bei den ersten Nutzungen haben sich einige zusätzliche Kernfunktionen als notwendig erwiesen. Zum Beispiel ist die Integration von Videokonferenzsystemen geplant, damit Teilnehmer nicht 2 Anwendungen parallel nutzen müssen, sondern alles auf einer Seite ablaufen kann.“ Diese Erweiterung wünschen sich auch Bernhard Herzog, Finanzvorsitzender des Handharmonikaclubs Flottweg Sillenbuch sowie Ulrich Fischer, Vorsitzender des Förderverein Chöre & Kirche St. Columban e.V., die ansonsten sehr begeistert von digitalwahl.org sind. Ilka Seuken, Chormanagerin des Jugendkonzertchors der Chorakademie Dortmund, fehlte für ihre Nutzung die Möglichkeit einer asynchronen Wahl, quasi eine digitale Briefwahl. Auch dies ist inzwischen ein geplantes Feature für die Zukunft. Ansonsten plant Ilka Seuken das Tool weiterhin für ihren Verein zu nutzen: „Ich denke, dass viele Sitzungen dieser Art zukünftig allein aus Kostengründen auch online oder als Hybridveranstaltungen stattfinden werden.“

Felix Herrmann ist rückblickend sehr zufrieden: „Der schönste Moment war der reibungslose Ablauf der ersten Veranstaltung mit über einhundert Teilnehmern. Wenige und vor allem einfach zu behebende Support-Fälle, schnelle und einfache Wahlen, alle konnten folgen und waren begeistert. Das Ergebnis und die Entspannung danach waren fantastisch.“

Kurzinfo

Über die Plattform Digitalwahl.org sind schnell und einfach Wahlen und Abstimmungen möglich, egal ob die Versammlung online, hybrid oder physisch stattfindet. Die Nutzung ist für gemeinnützige Vereine und Verbände kostenlos. Die ProStimme Medien- und Dienstleistungsgesellschaft unterstützt gerne bei der Realisation Ihrer Veranstaltung.

Checklisten und Unterlagen zu digitalen Mitgliederversammlungen gibt es auf https://remix.medialepfade.org/ein-demokratie-hotspot/digitale-mitgliederversammlungen/

Artikel geschrieben für das SINGEN-Magazin, Juni 2021