Soundsation: Orange

Soundsation: Orange

Der Jazzchor Soundsation aus Neu-Isenburg legt zu seinem 40-jährigen Bestehen seine zweite CD Orange vor. Gründer und Leiter Dr. Matthias E. Becker hat eine Auswahl von 13 Chorstücken zusammengestellt, ein Mix aus ihrem aktuellen Konzertprogramm. Die ersten sechs Songs wurden dabei hörbar unter kontrollierteren Bedingungen aufgenommen als die folgenden sieben Live-Mitschnitte von unterschiedlichen Konzerten, zum überwiegenden Teil mit der Marvin Dorfler Big Band. Da zudem der Mix nur der ersten Abteilung von Andrea Figallo besorgt wurde, zerfällt diese CD doch deutlich in einen kürzeren sehr gut und zeitgemäß klingenden Teil (Bill Hare hat die gesamte Produktion gemastert) – und den Rest. Und dieser Rest trübt den Hörgenuss meiner sicherlich verwöhnten Ohren des 21sten Jahrhunderts leider ein wenig.

Soundsation bewegt sich als einer der wenigen populären Chöre auch im Bereich der chorischen Jazzmusik. Und das Repertoire dieser CD weist einen deutlichen Hang zu DEN Größen des vokalen Jazz auf: Sechs der dreizehn Arrangements stammen von Darmon Meader, dem musikalischen Kopf der New York Voices – recht anspruchsvolle Chorliteratur also. Mir persönlich gefallen auf dieser CD besonders die (eher etwas poppigeren) Erik-Bosio-Arrangements; Iridis sticht hervor und auch das von der Vocalband Cluster geprägte Stück 224 – immer wieder ein Garant für Gänsehaut. Beim lebhaften Nouse lauluni, bekannt durch die Finnen von Rajaton, beweist der Chor seine rhythmischen Qualitäten. Als siebter Song folgt dann Stolen Moments in einem anspruchsvollen Arrangement von Becker, das seinen Chor durchaus fordert. Eine unglaubliche Herausforderung für jede*n Tonmeister*in sind dann natürlich die Aufnahmen mit der Marvin Dorfler Big Band (Leitung Hans Eckhardt) aus Friedberg: Big Band und Chor dynamisch ausgewogen zu pegeln ist schon unter idealen Studiobedingungen eine Sache für sich. Und so leidet hier und da die dynamische Balance ein wenig, z. B. bei I can’t Believe That You’re In Love With Me, wo ich mir den Chor selbstbewusster im Vordergrund wünschen würde.

Insgesamt bleibt mein Eindruck, den die CD hinterlässt, etwas zwiespältig. Die ersten sechs Tracks zeigen, wozu dieser Chor imstande ist: Ein heller Chorklang, rhythmische Präzision, solide Intonation. Hätten Becker und sein Team daraus eine EP mit sechs Titeln gemacht, wäre das ein wirklich toller Hörgenuss! Dies ist somit auch der Teil der CD, den ich gerne in Erinnerung behalten werde.

51:58 min, Eigenverlag
https://www.soundsation.de/

Rezension geschrieben von Nina Ruckhaber für die Chorzeit – das Vokalmagazin, Ausgabe April 2021