Lauter Wind – Joshua Bredemeier

Lauter Wind – Joshua Bredemeier

Wer sich noch an die HörBänd erinnert, – 3 Studioalben und hunderte Konzerte von 2014-2020 – dem ist Joshua Bredemeier (*1990) sicherlich ein Begriff. Als „musikalischer Kopf“ prägte er die A-Cappella-Band durch seine extrem kreativen Arrangements. Nun macht Bredemeier (mittlerweile Dozent an sage und schreibe 4 Musikhochschulen des Landes) mit einer neuen Produktion von sich reden: Für die CD „Lauter Wind“ hat er 10 Kinderlieder in 5-stimmigen Vokal-Sätzen arrangiert – und die allererste A-Cappella-Garde ans Mikrofon gebeten. Mit ONAIR-Sopranistin Jennifer Kothe, Quintense-Altistin Katrin Enkemeier, Alte Bekannte-Bassist Björn Sterzenbach sowie seiner ehemaligen Hörbänd-Kollegin Laura Saleh singt das Quintett „Kinderlieder für Kinder und Chöre“ und holt damit die Musik aus dem Kinderzimmer in den Konzertsaal: 25 Minuten Hörspaß vom Allerfeinsten!

„Die Affen rasen durch den Wald“ (samt herrlichem Dschungelbuch-Zitat) eröffnet die CD und lädt ein in die bunte Welt traditioneller, überwiegend bekannter Kinderlieder in meist swingendem Gewand. Und welch hervorragende Sängerinnen sich Bredemeier ins Boot geholt hat, zeigt sich spätestens bei der dritten Nummer, der unglücklichen Liebesgeschichte von Flunder und Harung: Die Singfreude und der Klang von Laura Saleh hauen mich komplett um. Wer dann allerdings glaubt, das sei stimmlich nicht zu toppen, wird von Jennifer Kothe mit „Komm, lieber Mai, und mache“ eines Besseren belehrt. Ihre einzigartige Stimmfarbe berührt mich immer wieder und lässt mich verzückt lauschen. Für mich ein Herzstück der CD und bereits von der Hörbänd bekannt: Das jazzige „Auf der Mauer, auf der Lauer“ mit Bredemeiers genialem Arrangier-Kniff, die Wiederholungen nicht nur um Buchstaben, sondern auch um Notenwerte zu kürzen. Das stellt zwar mitsingende Kinder (und Erwachsene) vor einige Hürden, macht aber jede Menge Spaß! Und die ruhige Version von „Hejo! Spann den Wagen an“ überzeugt mit herrlichen Sekundreibungen.

In wirklich jedem der 10 Lieder zeigt Bredemeier sein großes Können als Arrangeur. Die vielen kleinen musikalischen Gimmicks in seinen Bearbeitungen zielen eindeutig auf die erwachsenen Zuhörer: Eltern, die alle möglichen Dinge in Dauerschleife aus dem Kinderzimmer hören, werden dankbar sein. Und alles klingt prima! Bredemeiers Produktion ist sauber und transparent, das Mastering von Julius Gass angenehm druckvoll.

Für die Chorszene interessant: Eine weitere Zusammenarbeit zwischen Chören und Beteiligten des Projekts im Rahmen von Workshops und Konzerten ist ausdrücklich erwünscht. Die Kinderlieder sind darum in Sätzen für Chöre (SMATB) geschrieben, die Noten sind auf Bredemeiers Website zu finden.

Nach Kinderkram von MAYBEBOP wird dies wohl die zweite A-Cappella-CD, die mein Patenkind unterm Weihnachtsbaum finden wird.

25:14 min, ohne Label

CD-Rezension geschrieben für die Chorzeit – Das Vokalmagazin, Ausgabe 2 / 2022