heimkehren – Moritz Puschke – 70. Musikfest ION

heimkehren – Moritz Puschke – 70. Musikfest ION

Vom 25. Juni bis 4. Juli 2021 findet das 70. Musikfest ION in Nürnberg statt. Das Jubiläumsprogramm bietet Konzerte mit Publikum vor Ort sowie digitale Angebote. Das Motto des internationalen Festivals für Geistliche Musik lautet heimkehren. Dazu durfte ich mit Moritz Puschke sprechen.

Lieber Moritz, viele kennen dich als ehemaligen künstlerischen Leiter der chor.com. Inzwischen bist du als Geschäftsführender Intendant für das Musikfest ION in Nürnberg tätig. Wie kam es zu dieser neuen Herausforderung?

Nach über zehn Jahren beim Deutschen Chorverband in verschiedenen leitenden Positionen war eine Luftveränderung angesagt. Ich habe noch nie südlich von Limburg an der Lahn, wo ich aufgewachsen bin, gewohnt. Da wurde es höchste Zeit! Außerdem macht meine große Tochter gerade ihr Abitur in Berlin und meine Frau hat ne tolle Stelle als Musiklehrerin in Nürnberg gefunden – da passte also einiges zusammen. Und letztendlich ist es für mich wichtig, in einer Stadt, in der Musik fest verankert ist, zu wirken. 
In die Gesellschaft hinein, im kreativen Dialog mit den Macherinnen und Machern, den Gremien und den Menschen vor Ort

Das Motto des 70. Musikfest ION lautet heimkehren. Bei welchen Klängen und Künstlern empfindest du persönlich musikalische Heimat? Wie schlägt sich dies in der ION nieder? 

Meine Heimat ist, wie du ja seit langem weißt, die Vokalmusik in all ihren verschiedenen Ausprägungen. Mit der Muttermilch aufgesogen! Und ich bin ein Pfarrerskind und die Kirche als Raum ist für mich spirituelle Heimat, sie regt mich immer wieder aufs Neue an, inspiriert mich, lässt mich zur Ruhe kommen und dadurch kann Kreativität erwachsen. 

Die großen Bs prägen mich insbesondere: Bach, Brahms und natürlich die Beatles. Letztere erklingen dieses Jahr nicht im Festival, mit J.S. Bach aber eröffnen wir das 70. Musikfest ION: in einer hoffentlich berührenden und packenden Inszenierung mit der wunderbaren Anna Prohaska und der LauttenCompagney.

Sjaella © Lutz Wiechmann

Mit den Leipziger Vokalensembles Sjaella und Amarcord, den Singphonikern sowie dem Windsbacher Knabenchor gibt es dieses Jahr einen großen Schwerpunkt auf mehrstimmiger Vokalmusik. Was nimmst du aus deinen chor.com-Erfahrungen mit zur ION?    

Die stilistische Vielfalt und die große Lust verbunden mit dem großen Auftrag, 360° zu wirken. Kein Verharren oder Festhalten an Kategorien, Schubladen und Genres, sondern immer wieder aufs Neue herauszuarbeiten, was das Publikum und die Künstlerinnen und Künstler wirklich berührt und interessiert. Und das vor, auf und hinter der Bühne!

Du sprachst in der Pressekonferenz davon, dass in diesem Jahr Musiker zum Teil viel mehr Zeit mitbringen. Manche reisen bereits Tage vorher an, um die Atmosphäre der Stadt aufzusaugen und musikalisch einzutauchen. Welche Möglichkeiten ergeben sich dadurch für dich als Intendant?

Wir können mit den Ensembles und den einzelnen Musikerinnen und Musikern in Ruhe exklusive Programme für das Musikfest entwickeln, zum Beispiel das Mozart- Requiem am 2.7. ohne Worte mit dem Eliot Quartett und dem Lichtkünstler Laurenz Theinert. Das geht nur in entspannter Atmosphäre. Und mit Räumen, die uns nahezu unbegrenzt zur Verfügung stehen, was zum Glück in Nürnberg mit den herausragenden und auratischen Kirchen der Fall ist. Dadurch ergibt sich eine ganz spezielle ION-Atmosphäre, die viele Künstler:innen spüren und sie gerne wieder kommen lässt. 

Und für mich ist es natürlich eine große Chance, ein Stück weit abseits vom hektischen Festivalzirkus Zeit mit den Musiker:innen zu verbringen, sie besser kennenzulernen und mit ihnen in Bereiche vorzudringen, die sonst vielleicht nicht entdeckt werden oder auf der Strecke bleiben.

Hinter der ION steht ein ganzes Team, das „die Künstler am Leben hält“. Welche Rolle spielt ein solches Team in Zeiten von Corona? 

Ohne ein tolles Team geht gar nichts! Wir machen das hier mit vier Leuten, die sich seit anderthalb Jahren überwiegend nur via Zoom oder Telefon verabreden konnten – das ist natürlich eine eigentlich unmögliche Situation, gerade wenn man versucht im dialogischen Prinzip zu arbeiten und kreative Prozesse anzustoßen. 

Dass wir das hinbekommen haben und nun schon das zweite Musikfest in pandemischen Zeiten veranstalten, erfüllt mich mit großem Glück und ein wenig Stolz!

Tickets unter www.ion.reservix.de
Website Musikfest ION

>> Pressemitteilung ION, 7 Juni 2021
>> Gesamtprogramm ION 2021

Titelfoto © Joanna Scheffel