Der Deutsche Chorwettbewerb – Gipfeltreffen in Freiburg

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#gemEinsameSpitze

Alle vier Jahre trifft sich nach den bundesweiten Ausscheidungen in den Landesverbänden die Spitze der in Deutschland ansässigen Chöre zum gemeinsamen Wettsingen, zur „Deutschen Meisterschaft“ des Chorgesangs – zum Deutschen Chorwettbewerb. Ausgerichtet vom Deutschen Musikrat ist diese Wettbewerbswoche als große Chorbegegnung angelegt: tagsüber Wettbewerbe, abends Sonderkonzerte mit herausragenden Künstlern, ein kleines Messegelände mit Notenausstellungen sowie ein buntes Rahmenprogramm von Singen im Gefängnis, Gottesdienstgestaltungen bis zur wohl besten Partynacht der Popchöre schlechthin. In Zahlen: 8 Eventtage, 5000 Choristen, 5 Locations, 116 Chöre, 52 Preise, rund 60 Mitarbeiter und ein Gesamtbudget von 1,1 Millionen Euro. Neben den Hauptförderern (Land Baden-Württemberg, Stadt Freiburg, Volksbanken Raiffeisenbanken) wird die Grundfinanzierung von der Staatsministerin der Bundesregierung für Kultur und Medien, Prof. Monika Grütters MdB, bereitgestellt. Passend dazu der Kulturbürgermeister der Stadt Freiburg, Ulrich von Kirchbach, in seiner Ansprache: „Kultur ist keine freiwillige Leistung, sondern eine politische Pflichtaufgabe.“ Großer Beifall der Chöre.

Die rund 50 Jurymitglieder kommen aus aller Welt. Bei der Juryauswahl „wird ein hoher Maßstab angelegt. Die JurorInnen müssen ausgewiesene Fachleute und Autoritäten auf dem Gebiet der Chormusik sein“, so Jurygesamtvorsitzender Jürgen Budday. Wie schon in den Jahren zuvor fanden sich auch 2018 neben deutschen Koryphäen internationale Stars in der Jury, wie z. B. Kim Nazarian von den New York Voices oder der Däne Jens Johansen vom wohl besten europäischen Popchor „Vocal Line“. Die insgesamt 13 Kategorien reichen von gemischten Chören, Männer- oder Frauenchören, Kinderchören, Mädchenchören, Jugendchören bis hin zu Vokalensembles und Populärer Chormusik a cappella oder mit Trio.

Sogar die Tagesschau berichtete. Das Niveau der Chöre war in diesem Jahr enorm hoch. Doch welche Chöre stachen besonders heraus? Zu nennen sind da sicherlich der Kammerchor der Musikhochschule Mannheim, der Jazzchor der Uni Bonn sowie der Kammerchor Josquin des Préz aus Leipzig. Diese drei Chöre erhielten mit jeweils 24,0 Punkten die Höchstpunktzahl des gesamten Wettbewerbs (von 25 möglichen Punkten). Der Sonderpreis „Rondeau Production“ mit Gewinn einer 3-tägigen CD-Aufnahme ging an das VOKTETT Hannover, der Sonderpreis „best choir leadership“ an Sörin Bergmann von den Gospolitans aus Hamburg.

Und was war sonst noch los rund um den Wettbewerb?
Im Fußball steckte der SC Freiburg gegen Augsburg im Abstiegskampf – und erhielt Unterstützung von 1500 Chorwettbewerbsteilnehmern, die im Konzerthaus gemeinsam das Badnerlied für die Mannschaft sangen. Der Mitschnitt wurde kurze Zeit später auf der Stadionleinwand gezeigt. Haben wir hier etwa zu Sieg und Klassenerhalt verholfen?
Die Evakuierung infolge einer gefundenen Weltkriegsbombe zwang einige Chöre spät abends aus ihren Unterkünften. Die Entschärfung lief zum Glück erfolgreich.
Ein Sänger des Senior Jazzchor aus Freiburg wurde just am Tag des Auftritts 92 Jahre alt – und wurde gefeiert als der älteste Teilnehmer überhaupt. Musik hält eben fit.
Ansonsten natürlich die All-Time-Never-Ending-Stories: Die Diskussion, ob Hochschulchöre mit den „normalen“ Amateurchören zum Wettbewerb zugelassen werden oder eher in einer eigenen Kategorie starten sollten? Wo zieht man bei Vocal Bands die Grenze zwischen Laien und Profis? Warum wurden nach den Landeswettbewerben drei Gruppen nicht zum Bundesentscheid zugelassen? Die Gesprächsthemen gingen jedenfalls nie aus … Was sonst in Erinnerung blieb? Liegestühle und Kreuzworträtsel.

Als Ziel des Deutschen Chorwettbewerbs formuliert Projektleiter Helmut Schubach: „Jeder einzelne Sänger soll etwas nach Hause mitnehmen und neue Erfahrungen sammeln. Der Wettbewerb soll eine Bestätigung sein. Die Choristen können neue Kraft für die nächsten vier Jahre tanken.“
Der Stimmung nach zu urteilen hat das in diesem Jahr hervorragend funktioniert. Freuen wir uns also auf das nächste Großevent 2022.

>> Artikel von Nina Ruckhaber, geschrieben für die Zeitschrift SINGEN (6/2018)

>> Website Deutscher Chorwettbewerb

>> kleine Videomitschnitte von Auftritten der Chöre von Ninas VoxBox (Uploaddaten: 6.-12. Mai 2018)